Bauforschung und Archaeologie ib-Düsseldorf
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Die Arbeiten in Sakkara 1978-1981 mit Peter Munro

Peter Munro kam 1970 als Direktor des Kestner Museums nach Hannover. Wir Studenten lernten ihn ab dem Sommersemester 1978 am Institut für Bau- und Kunstgeschichte der damaligen Technischen Universität Hannover kennen, wo er über einen Lehrauftrag die seit Uvo Hoelscher, dem Ausgräber von Medinet Habu, und seinem Schüler Herbert Ricke, dem Ausgräber der Pyramiden von Abusir, traditionelle Verbindungen der hannoverschen Bauforschung zu Ägypten wieder aufleben lassen wollte. Am damaligen Lehrstuhl für Baugeschichte, geleitet und geführt von Cord Meckseper und seinen Assistenten, bot er ein Seminar zur Ägyptologie an, das von uns Architekturstudenten gut besucht war, vor allem wohl auch deshalb, weil er geeignete Studenten für seinen im Spätherbst 1978 geplanten Survey in Sakkara, dem ältesten Teil des Friedhofs der altägyptischen Hauptstadt Memphis, suchte. Seine Wahl fiel auf meinen Studienkommilitonen Helmut Knocke und mich.

Die erste Unternehmung[1] dauerte von Oktober bis Dezember 1978 und begann mit einer Nachtzugreise von Hannover nach Basel, mit Umsteigen weiter nach Chiasso. Hierhin war Peter Munro mit einem VW-Bus der DFG vorausgefahren. Sie verlief weiter mit dem VW-Bus nach Venedig und von dort mit dem Schiff über Piräus nach Alexandria. Auf dem Schiff haben wir mit dem Spiegelkorrespondenten Volkhard Windfuhr über den anstehenden Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten gesprochen, der eine sehr positive Einstellung zu den erwartenden Auswirkungen für Ägypten hatte. Auch Jürgen Osing, damals noch Assistent am Berliner Seminar für Ägyptologie in Berlin, war auf dem Schiff. Peter Munro verstrickte ihn gleich in ein Fachgespräch. Von Alexandria aus ging die Reise weiter nach Kairo auf der von den Engländern angelegten und „gefühlt“ seit damals wohl nicht reparierten Wüstenstrasse entlang des Westdeltarandes. In Kairo nahmen wir Quartier im Schweizerischen Institut für Bauforschung, dessen Direktor Gerhard Haeny und 2. Direktor Horst Jaritz uns „Frischlinge“ während der ganzen Unternehmung unterstützten. Am schweizerischen Institut trafen wir Architekturstudenten den Architekten Philipp Speiser, der damals als Stipendiat des Instituts arbeitete und den Ägyptologen Hartwig Altenmüller, Hamburg, der ein Jahr später als Nachfolger von Wolfgang Helck zum Leiter der Abteilung Ägyptologie am Archäologischen Institut der Universität Hamburg berufen wurde. Die Ballung von so viel geisteswissenschaftlicher Forschung und Wissenschaft verwirrte uns angehende Ingenieure. So langsam schienen wir zu begreifen, dass uns etliche Jahre Erfahrung in diesem Land und vor allem viel Wissen über seine Geschichte fehlten.

 

 

[1] Teilnehmer der Unternehmung im Herbst 1978 (06./07.10.- 08.12.1978) waren Prof. Dr. Peter Munro als Forschungsleiter, Das Architektenpaar Erwin  und Hanne Arend aus Hannover, Kurt Wehlauer als Elektromeister Hannover und als Studenten der Fachrichtung Architektur, Universität Hannover Helmut Knocke  und Martin Ziermann; im Frühjahr 1980 (05.03.-02.04.1980) bis auf Kurt Wehlauer die Gruppe von 1978 sowie der Architekturstudent Frank Simon und der Fotograf G.-W. von Massow; im Herbst 1981 (26.09.1981-24.11.1981) neben einer neuen Fotografin, Frau Irmtraut Munro als Stufentin der Ägyptologie.

Die üblichen Verzögerungen bei der Ausstellung der Grabungserlaubnis sowie mit dem Zoll wegen unseres Containers mit dem Grabungs-equipment ließ die eigentlichen Arbeiten für einige Zeit ruhen. Wir machten unseren Antrittsbesuch bei Prof. Werner Kaiser am deutschen archäologischen Institut (nicht anwesend)  und lernten ansonst Warten und die Ruhe bewahren, erfuhren viel über das für uns neue Land und bezogen nach einigen Tagen eine durch Miroslav Verner vermittelte Mietwohnung in Giza unweit des Mena-House-Hotels. Auch in Sakkara konnten wir einen ersten Eindruck von unserer zukünftigen Tätigkeit gewinnen. Wie zuvor seine Berufskollegen wünschte Peter Munro in Sakkara ein Grabungshaus zu errichten und zwar im Anschluss an die Häuser der französischen (Jean-Philippe Lauer) und der englischen Mission (Harry S. Smith) am Hang des Wüstenplateaus mit Blick ins Niltal. Dazu war der Container mit Fertigteilplatten für einen knapp 100 qm großen eingeschossigen Pavillon vollgepackt, einschließlich der Möbel und einer Erstausstattung an Verbrauchsmaterialien.

Nachdem der Container nach knapp einer Woche endlich freigegeben und nach Sakkara transportiert wurde, die Grabungserlaubnis ausgestellt und weitere Mitglieder der Mannschaft eingetroffen waren, ging die Arbeit los. Wir bauten ein Grabungshaus! Schnell war der Standort abgesteckt und die Ausschachtung in den Hang konnte beginnen[1]. Archäologische Mauerbefunde innerhalb der Umfassungsmauer des Pyramidenbezirks der benachbarten Pyramideanlage des Alten Reiches wurden von uns dokumentiert und schließlich abgeräumt.

 

[1] Beginn der Arbeiten am Haus in Sakkara 23.10.1978

 

 

Rechts das Grabungshaus 1981. Links das englische, im Hintergrund das französische Haus
Grabungshaus mit temporärer Erweiterung, 1981

Leider hatten wir eines Abends in der Dunkelheit bei der Rückfahrt von Sakkara nach Giza direkt unterhalb des Inspektorenhauses einen mittelschweren Auffahrunfall. Nach wenigen Tagen war die Mannschaft wieder komplett, Helmut Knocke mit einem schweren Gips allerdings in seiner Bewegungsfreiheit doch eingeschränkt. Das Haus war fertiggestellt, wir konnten nach Sakkara ziehen und nun nach über einem Monat seit unserer Abreise in Hannover begann unsere bauforscherische Arbeit[1].

 

Behördlicherseits war Peter Munro für sein Konzessionsgebiet eine Bauuntersuchung im Rahmen eines Survey, also keine Grabung, erlaubt. Helmut Knocke und ich  sollten die Oberbauten der Grabanlage des Wnj6-h3-js't.f, die Peter Munro der 1. Zwischenzeit/Mittleres Reich zuordnete, bearbeiten. Mit der nächsten Unternehmung von April bis Mai 1980 und dann wieder von August bis November 1981 setzten Helmut Knocke und ich die Arbeiten an der Grabanlage fort. Die bauliche Wiederherstellung erfolgte erst nach unserer Zeit in Sakkara.

 

[1] Beginn der Bauuntersuchung  08.11.1978


Das Grabungshaus in Sakkara, Skizze 1978

Die drei Kampagnen in Ägypten unter der Leitung von Peter Munro in Sakkara eröffneten uns Studenten den Einstieg in einen neuen Kulturraum sowie den Kontakt zu Archäologen und Bauforschern anderer Forschergruppen. Wir lernten den großen Bauforscher und Architekten J.Ph. Lauer kennen, den Ausgräber des Djoserbezirks, sowie Harry S. Smith und seine Frau Hazel, der unter Walter Bryan Emery eine Grabanlage der 1. Dynastie und später die nubischen Festungen in Buhen und Khor ausgegraben hatte. Da ich 1981 erwähnt hatte, mich im Herbst 1982 für islamische Architektur an der SOAS London bei Prof. Giza Fehervari einzuschreiben, durften meine spätere Frau und ich das Ehepaar Smith durch die islamische Altstadt von Kairo führen. Selbstverständlich wusste Harry Smith deutlich mehr über die Geschichte der Bauten als ich. Wir konnten ihn dann aber auf spezifisch bauforscherische Aspekte und Fragestellungen bei der Gebäudeinterpretation hinweisen, die ihm nach eigener Aussage neu waren. Dadurch haben wir die Führung noch mit einigem Anstand zu Ende bringen können. Harry Smith und sein Team arbeiteten 1977-88 am Anubieion und in Memphis. Leider haben wir sie dort nicht besucht! Auch die Gruppe um Miroslav Verner, Leiter der tschechischen Grabung, die in Abusir, damals noch mit bescheidenen Mittel ausgestattet, das Pyramidenfeld der 5. Dynastie erforschte, lernten wir kennen. Unser Aufenthalt in Ägypten ermöglichte darüber hinaus aber vor allem interessante und daher lange Gespräche mit Peter Munro über zahlreiche, nicht nur arbeitsbezogene Themen. Gerade sein unglaublich breit angelegtes Wissen, das Peter Munro auch bereitwillig offenbarte, war für uns Studenten eine Bereicherung. Die Kampagne im Herbst 1981 endete mit meinem Wechsel nach Elephantine an die Grabung von Werner Kaiser, dem damaligen Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo, wo Günter Dreyer, damals noch als Referent am DAI, im Südbereich des Satettempel jemanden brauchte, der ihm bei der Dokumentation der Baubefunde zur Hand ging. Nach telefonischer Kontaktaufnahme, damals noch verbunden mit einer Reise nach Mitrahina zum Telefonamt, und entsprechenden Vereinbarungen ging die Reise für mich Ende November 1981 nicht nach Hause, sondern nach Aswan auf die Insel Elephantine, wo ich mit Unterbrechungen bis 1999 tätig sein sollte.

 

Die Arbeiten mit Peter Munro in Sakkara 1978-1981
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